KV-Radar

KV-Radar

Zukunftsszenarien für den kombinierten Verkehr

Der Straßengüterverkehr macht regelmäßig durch technische und organisatorische Neuerungen auf sich aufmerksam. Beispiele wie das Platooning, Oberleitungs-LKW oder Zukunftsvisionen vom autonomen Fahren steigern die Attraktivität des Verkehrsträgers Straße und scheinen diesem wesentliche Eigenschaften des Verkehrsträgers Schiene zu verleihen. Durch eine zunehmende Digitalisierung der Auftragsabwicklung (bspw. durch sich etablierende digitale Spediteure) vereinfacht sich die Abwicklung von Transportaufträgen zusehends und steigert auch hier die Attraktivität des Straßengüterverkehrs. Jedoch wirkt sich der Straßengüterverkehr aufgrund seiner hohen externen Belastungen und Kosten nachteilig auf Umwelt und Gesellschaft aus. Insbesondere die starke Beanspruchung von Infrastruktur und der hohe Verbrauch an Ressourcen sind hierbei zunehmend kritisch zu sehen.

Im Gegensatz zum Straßengüterverkehr wird dem kombinierten Verkehr (bspw. Straße-Schiene oder Straße-Binnenschiff) eine höhere Umwelt- und Infrastrukturverträglichkeit zugeschrieben. Die Verlagerung von Güterverkehren auf die Schieneninfrastruktur, was im vorliegenden Projekt betrachtet wird, kann aufgrund der Eignung der Schiene für schwere Lastverkehre helfen, Umweltschutz- und Gesellschaftsziele zu erreichen. Die inhärente mehrgliedrige Transportkette des kombinierten Verkehrs sorgt jedoch für Nachteile in den Bereichen Organisation und Flexibilität, die ungebrochene Direktverkehre des Straßengüterverkehrs nicht besitzen. Insbesondere der Anspruch moderner Logistik an Flexibilität und Geschwindigkeit fördert die Nutzung des Straßengüterverkehrs gegenüber dem kombinierten Verkehr zusätzlich.

Das vorliegende Projekt hat sich zum Ziel gesetzt, den kombinierten Verkehr in Deutschland und insbesondere im Transitland Hessen zu stärken. Im Rahmen einer Delphi-Studie sollen Experten identifiziert und deren Meinungen und Empfehlungen zur Stärkung des kombinierten Verkehrs abgefragt und konsolidiert werden. Eine Delphi-Studie ist hierbei ein Instrument zur Konsensfindung unter Experten in einem mehrstufigen Prozess. Aus der Delphi-Studie soll ein „KV-Radar“ abgeleitet werden, welcher unterschiedliche Entwicklungsszenarien für den kombinierten Verkehr darstellt. Um die Delphi-Studie auf eine fundierte Basis zu stellen, werden initiale Interviews mit Experten des kombinierten Verkehrs durchgeführt. Der „KV-Radar“ bildet die Basis, um wissenschaftlich fundiert technologische und organisatorische Aspekte des kombinierten Verkehrs zu beleuchten und gezielt Handlungsfelder und -empfehlungen zu erarbeiten. Um die Ergebnisse der Öffentlichkeit angemessen zu präsentieren, soll als Abschluss des Projekts das „Forum Kombinierter Verkehr“ am HOLM Frankfurt genutzt werden, welches erstmals am 13.09.19 stattgefunden hat und im jährlichen Turnus weiterverfolgt werden soll. In diesem Format sollen Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft, Entscheider intermodaler Transportketten (Verlader, Spediteure, KV-Operateure, EVUs, etc.), sowie Politik und Gesellschaft die Möglichkeit bekommen, im Rahmen des „KV-Radars“ gezielte Maßnahmen zur Stärkung des kombinierten Verkehrs zu diskutieren. Insbesondere die Standortentwicklung des Transitlands Hessen soll hierbei im Fokus stehen und durch Einbezug des KV in bestehende Logistikkonzepte (z.B. zur Versorgung von Städten) und Logistikinfrastrukturen (z.B. durch die Anbindung an den trans-eurasischen Korridor bei Bebra) fundiert diskutiert werden.

Eckdaten:

Laufzeit: Mai 2020 bis April 2021

Förderer: Dieses Projekt (HA-Projekt-Nr.: 856/20-13) wird aus Mitteln des Landes Hessen und der HOLM-Förderung im Rahmen der Maßnahme „Innovationen im Bereich Logistik und Mobilität“ des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen gefördert.

Projektleitung: Michael Gleser