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Transportmanagement

Fast die Hälfte der Logistikkosten in Europa sind Transportkosten. Daher kommt der effizienten und effektiven Planung und Durchführung von Transportaktivitäten sowohl aus Sicht der Logistikdienstleister als auch Industrie- und Handelsunternehmen eine hohe Bedeutung zu. Megatrends wie die Urbanisierung stellen diese vor neue Herausforderungen bei der Belieferung in Städten und die zunehmende Volatilität der Märkte erschwert die Kapazitätsplanung. Auf der anderen Seite bietet die Digitalisierung und die damit verbundene Datenverfügbarkeit neue Möglichkeiten in der Transportplanung und bei der Unterstützung der Disposition. Neben der Verbesserung bestehender Dienstleistungsangebote im Transport können so auch neue Dienstleistungen entwickelt werden, die auf der Nutzung großer Datenmengen (Big Data) aufbauen.

Im Fokus des Forschungsschwerpunkts „Transportmanagement“ stehen vor allem intermodale Transportketten, die durch eine hohe Arbeitsteiligkeit gekennzeichnet sind. Deren einfach wirkende Aufteilung in Vor-, Haupt- und Nachlauf vereint unterschiedliche Akteure und umfasst somit eine Vielzahl spezialisierter Unternehmen. In diesen arbeitsteiligen Systemen kommt dem effizienten und effektiven Datenaustausch zwischen den Akteuren eine hohe Bedeutung zu. Aber auch unimodaler Straßengüterverkehr stellt in Anbetracht der oft geringen Margen besondere Herausforderungen an die Organisation und Durchführung der Transporte.

Die Forschung in diesem Bereich zielt auf eine methodische Unterstützung bei der unternehmensübergreifende Planung von Transportketten. Mittels Simulation des Güter- und Informationsflusses werden Planungsalternativen unter Berücksichtigung ökonomischer und weiterer Zielgrößen analysiert, wobei insbesondere das Verhalten der Akteure bei der Wahl verschiedener Transportalternativen und der Weitergabe und Nutzung von Informationen in der Kette im Fokus steht.

Ausgewählte Forschungsfragen

  • Wie können die im Transport gegebenen Unsicherheiten bei der Planung und Bewertung von Transportketten berücksichtigt werden?
  • Welchen Einfluss haben Zeitfenstermanagementsysteme im Straßengüterverkehr auf die Kosten der beteiligten Akteure?
  • Welche Treiber und Barrieren sind für potentielle Nutzer von neuen Technologien (Transportequipment und IT-Systeme) ausschlaggebend bei der Investitionsentscheidung?
  • Wie können Disponenten durch eine datengetriebene Transportplanung und -abwicklung (Big Data) unterstützt werden?
  • Welchen Einfluss haben unternehmensübergreifende Informationssysteme und der damit verbundene Informationsaustausch auf die Effizienzsteigerung in der Auftragsabwicklung?
  • Welche Faktoren beeinflussen das Entscheidungsverhalten der verschiedenen Akteure bei der Verkehrsmittelwahl? Welche dieser Faktoren sind insbesondere bei der Wahl intermodaler Transportketten ausschlaggebend?

Forschungsthemen

Während die Planung von Transportnetzwerken ohne Verspätungen und bei konstanten Mengen noch vergleichsweise einfach umgesetzt werden kann, stellt die Berücksichtigung von Unsicherheiten im Transport eine Herausforderung dar. Die Simulationsmethodik ist in diesem Zusammenhang ein adäquates Werkzeug, um Abweichungen und stochastische Einflussgrößen bei der Auslegung von Transportnetzwerken zu berücksichtigen. Gegenstand der Forschung ist daher die geeignete Berücksichtigung von Unsicherheiten bei der Planung von Transportnetzwerken. Neben der verbesserten Planung bestehender Dienstleistungen im Transportnetzwerk können darauf aufbauend neue Dienstleistungsangebote entwickelt werden, welche den gestiegenen Lieferserviceanforderungen der Kunden Rechnung tragen.

Für die Durchführung von Transporten werden kontinuierlich neue Technologien entwickelt, welche etwa die Effizienz (z. B. Kraftstoffverbrauch) der eingesetzten Fahrzeuge oder die Interoperabilität zwischen den Verkehrsträgern verbessern sollen. Ebenso werden getrieben durch die Digitalisierung neue Informationssysteme (z. B. Community-Systeme) für einen verbesserten Informationsaustausch zwischen den Akteuren in der Transportkette entwickelt. Auch wenn die technischen Systeme aus Anbietersicht ausgereift erscheinen, führt dies nicht automatisch dazu, dass diese bei den Akteuren in der Transportkette eingesetzt werden und sich im Markt etablieren. Im Fokus des Forschungsthemas stehen daher die wirtschaftliche Beurteilung dieser Systeme und die Untersuchung der Treiber und Barrieren für eine effektive und effiziente Mensch-Maschine-Interaktion.

In Anbetracht der oftmals bereits hoch ausgelasteten Infrastruktur kommt der effizienten Nutzung der Verkehrsmittel insbesondere auf der Straße und der Schiene eine hohe Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang erlaubt die zielgerichtete Auswertung und Verarbeitung von zunehmend vorhandenen Daten (Big Data) eine verbesserte Planung und Nutzung der Transportkapazitäten. Gegenstand der Forschung ist die Fragestellung, wie historische Informationen (etwa über die saisonale Schwankung der Transportnachfrage) und Statusinformationen zur Unterstützung des Disponenten genutzt werden können.

Die rationale Abwägung von Transportkosten und -dauern spielt bei der Verkehrsmittelwahl eine zentrale Rolle, spiegelt aber häufig nicht die tatsächliche Entscheidungsfindung der jeweiligen Akteure (v. a. Verlader und Spediteure) wider. Um die konkrete Wahl uni- oder multimodaler Transportketten nachzuvollziehen, ist eine Analyse des komplexen Entscheidungsverhaltens unabdingbar. Dieses wird zum einen durch die systemseitige Entscheidungslogik der eingesetzten Software-Systeme bestimmt, welche objektiv messbare Kriterien berücksichtigen. Auf der anderen Seite sind jedoch auch menschliche Verhaltensmuster und Präferenzen zu berücksichtigen. Gegenstand der Forschung ist das systematische Aufdecken der relevanten systemseitigen und menschlichen Einflussfaktoren bei der Verkehrsmittelwahl.

Die Auftragsabwicklung in Transportketten wird mit voranschreitender Digitalisierung verbunden mit der Möglichkeit eines unternehmensübergreifenden Informationsaustausches technologisch zunehmend vereinfacht. Dennoch bestehen vor allem in mehrgliedrigen Transportketten große Herausforderungen (u. a. komplexes Schnittstellenmanagement, unterschiedliche Geschäftsmodelle, individuelle Gestaltung der Geschäftsprozesse), um die Informationsasymmetrien unternehmensübergreifend abzubauen. Technische Lösungen lassen sich zudem nur durch ein einheitliches Prozessverständnis realisieren. Diesem wird in unternehmensübergreifenden Prozessanalysen und Simulationsstudien Rechnung getragen, um die Auftragsabwicklung in Transportketten in Bezug auf Effizienzsteigerungspotentiale zu analysieren.

Ausgewählte Publikationen