1_Lagermanagement und Intralogistiksysteme

Lagermanagement und Intralogistiksysteme

Schwankende Kundennachfrage, wachsende Artikelsortimente und eine Vielzahl interdependenter Planungsprobleme führen zu einer besonders hohen Komplexität bei der Auslegung von Intralogistiksystemen und -prozessen. Aufgrund des hohen Anteils an teilautomatisierten oder manuellen Prozessen ist zudem die Gestaltung der Mensch-Maschine-Interaktion von entscheidender Bedeutung – sowohl für eine leistungsfähige Dienstleistungserbringung als auch für die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter/innen. Gleichzeitig können technologische Innovationen durch Industrie 4.0 die Prozesse im Lager zukünftig maßgeblich verändern.

Die anforderungsgerechte Gestaltung von Intralogistiksystemen und -prozessen im Sinne des Logistics Service Engineering steht im Mittelpunkt des Forschungsschwerpunkts „Lagermanagement und Intralogistiksysteme“. Die methodische und instrumentelle Unterstützung in der Planung umfasst sowohl die Gestaltung der operativen Abläufe als auch die Auswahl geeigneter Intralogistiktechnik. Ein Schwerpunkt im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion ist die Identifizierung ergonomischer Verbesserungspotentiale, welche aufgrund des demographischen Wandels zunehmend relevant werden. Hinsichtlich Industrie 4.0 werden innovative Lösungen zu Automatisierung oder Digitalisierung wirtschaftlich bewertet.

Die Simulation ist ein besonders geeignetes Werkzeug, um die komplexen Planungsprobleme im Bereich Lager und Intralogistik zu beherrschen. Je nach Fragestellung werden speziell zugeschnittene Simulationsmodelle entwickelt, wodurch die spezifischen Rahmenbedingungen einzelner Intralogistiksysteme umfassend berücksichtigt werden können.

Ausgewählte Forschungsfragen

  • Welche Kombinationen aus Kommissioniertechnik und Lagerlayout eignen sich bei verschiedenen Artikelsortimenten und Nachfragestrukturen?
  • Welche Potentiale bieten innovative Automatisierungslösungen wie mobile Kommissionierroboter im Lager?
  • Welche Einsatzpotenziale bestehen für Virtual Reality in der Intralogistik für die Interaktion zwischen Mensch und Maschine?
  • Wie kann die Mensch-Maschine-Interaktion im Lager angesichts des demographischen Wandels ergonomisch gestaltet werden?
  • Wie kann die Standardisierung der Dienstleistungsentwicklung in der Kontraktlogistik methodisch unterstützt werden?
  • Durch welche Preismodelle können geeignete Anreizsysteme bei kooperativer Nutzung von Lagereinrichtungen geschaffen werden?

Forschungsthemen

Die Vielzahl der interdependenten Planungsprobleme (von der Festlegung der Bestandshöhe für einzelne Artikel über die Lagerplatzvergabe bis zur Wegeführung in Person-zur-Ware-Kommissioniersystemen) stellt besondere Herausforderungen an das Logistics Service Engineering in Lager und Intralogistik. Durch Simulation werden Abläufe im Lager nachgebildet und Intralogistiksysteme so gestaltet, dass ein bestmöglicher Trade-off von Lagerhaltungskosten und Lieferservice erreicht wird.

  • Operative Prozessverbesserungen in der Logistik für ein mittelständisches Industrieunternehmen

Im Zuge von Automatisierung und Digitalisierung werden neue technologische Lösungen entwickelt, welche auch komplexere manuelle Tätigkeiten im Lager automatisieren sollen. Vor einer möglichen Implementierung benötigen Lagerbetreiber jedoch eine fundierte Analyse, ob neue Technologien tatsächlich Lagerkosten und Durchlaufzeiten reduzieren können. Hierfür werden innovative Intralogistiksysteme (wie z. B. mobile Kommissionierroboter) simuliert und wirtschaftlich bewertet. Durch diesen Ansatz kann auch das Marktpotential neuer Automatisierungslösungen bestimmt werden.Die Maschine – der beste Freund des Menschen? Zukunftsstudie zur Interaktion zwischen Mensch und Maschine im Lager der Zukunft

Trotz fortschreitenden technologischen Wandels wird nach wie vor ein Großteil der Lager manuell betrieben. Die Gestaltung des Zusammenspiels von manuellen Tätigkeiten und Automatisierungstechnik im Lager steht daher im Fokus dieses Forschungsthemas. Für die Gestaltung einer effizienten und effektiven Interaktion zwischen Mensch und Maschine werden hierbei die Anwendungsmöglichkeiten neuer Technologien wie Virtual und Augmented Reality erforscht. Untersucht werden insbesondere auch die Auswirkungen individueller menschlicher Eigenschaften und sozio-kultureller Entwicklungen (z. B. Internationalisierung der Arbeitswelt, demographischer Wandel) auf die Akzeptanz und Effizienz unterstützender technischer Systeme.

Während in der Produktentwicklung auf standardisierte Prozesse und Systeme zurückgegriffen werden kann, erfolgt die Dienstleistungsentwicklung in der Logistik häufig noch auf Basis individueller Arbeitsabläufe. Ziel ist es, verschiedene Prozesse in der Kontraktlogistik zu erfassen, zu systematisieren und schließlich zu standardisieren. Insbesondere die Evaluierung der Einsatzmöglichkeiten universell anwendbarer Simulationsmodelle im Rahmen der Angebotserstellung steht dabei im Vordergrund. Gegenstand der Forschung ist daher die Systematisierung und Entwicklung standardisierter Modellelemente zur simulationsbasierten Dienstleistungsentwicklung.

Die kooperative Nutzung von Lager- und Logistikeinrichtungen bietet insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen eine Möglichkeit, zukünftigen Herausforderungen vor dem Hintergrund einer zunehmenden Urbanisierung zu begegnen. Schwierigkeiten bei der Realisierung solcher Kooperationen ergeben sich jedoch häufig auf Grund von Informationsasymmetrien oder gegenläufiger Interessen der Kooperationspartner. Gegenstand der Forschung sind daher die verschiedenen Möglichkeiten zur Ausgestaltung von horizontalen Kooperationsbeziehungen und des Revenue-Sharing im Lager. Dazu werden insbesondere die Auswirkungen unterschiedlicher Verhaltensweisen der Kooperationspartner simulationsbasiert untersucht.

Ausgewählte Publikationen